“The Contemporary Cowboy”
von Thomas Haak
Das akutelle Album der Woche ist “The Contemporary Cowboy” vom Ensemble Du Verre
Trotz beständiger positiver Kritikerresonanz sollte dem 2003 gegründeten Ensemble Du Verre der große Achtungserfolg lange Jahre verwehrt bleiben. Den gab es dann allerdings umso deutlicher 2008 in Gestalt des Preises der Deutschen Schallplattenkritik für das Album “Sanctuary For Animals”. Nun legt die Formation um den Hamburger Schlagzeuger Sönke Düwer mit “The Contemporary Cowboy” ein weiteres wahres Meisterwerk vor, auf dem Elemente des Jazz abermals auf sehr kunstvolle Weise mit Gestaltungsmitteln der elektronischen Musik verbunden werden.
Eine gelungene Verbindung aus elektronischer Musik und Jazz
Diesmal allerdings stärker aus der Perspektive elektronischer Klubmusik, wofür es bereits großes Lob vom Techno- und House-Produzenten Laurent Garnier gab. Sönke Düwer und seine Mitmusiker besitzen die große Gabe und filmmusikalische Eigenschaft Spannung aufzubauen, indem sie die tranceschaffenden Strukturen der elektronischen Musik mit der Raffinesse des Jazz zu verbinden, dessen deutlichsten Spuren in melodischer Hinsicht vom englischen Tenorsaxofonisten Penrose Feast herrühren. Der Berliner Kontrabassist Marc Muellbauer sorgt mit seinem warmen tiefen, plastischen Sound für den entsprechenden Jazz-Puls – und der Lübecker Schlagzeuger Oliver Sonntag belegt, dass rhythmische Strukturen keineswegs Schaden nehmen müssen, wenn man einmal den Mut findet, über die gängigen Möglichkeiten des normalen Drumkits hinauszugehen.
Sönke Düwer als Mastermind vom Ensemble Du Verre
Mit “The Contemporary Cowboy” erweist sich das Ensemble du Verre als überaus musikparameterbewusster Zirkel, der durch den ausgeklügelten Umgang mit Strukturen, durch Reduktion und Konzentration eine Art von wachträumischerer Klarheit erzielt, die passagenweise zudem zutieftst erotischer Natur ist. Als maßgeblicher Regisseur von “The Contemporary Cowboy” erweist sich allerdings dessen Komponist und Produzent Sönke Düwer, der neben einigen Schlagzeugtracks alle Keyboards, Gitarren, elektronischen Elemente und vielerlei Perkussion beigesteuert hat.
Eine Huldigung des modernen Cowboys
Zu finden auf einem Album, das einem modernen Typus von Cowboy huldigt, der sowohl durch die norddeutsche Prärie wandert, als auch über Hamburger Asphalt fährt oder – wie auf dem Cover zu sehen ist – Gitarre in einem U-Bahnhof spielt. Die Polaritäten zwischen denen sich der moderne Cowboy bewegt lauten: Großstadtleben, Natur, Fernweh und regionale Verbundenheit. Eckpfeiler eines Lebensstils, der sich in der Musik widerspiegelt und sowohl durch traditionell gespielte Instrumente, als auch programmierte Elektronik und Improvisation zum Ausdruck kommt.
Hommage an Miles Davis
“Seven Miles Down” lautet der Titel eines der jazzhaftesten Stücke von “The Contemporary Cowboy”, das auf ein Musikgenie anspielt, das zwar vom Jazz kam, zeitlebens aber weit über dessen Grenzen hinausblickte. Die Rede ist natürlich von Miles Davis, dessen scheuklappenfreien Geist das Ensemble du Verre guten Gewissens für sich in Anspruch nehmen kann.
Leider ist “The Contemporary Cowboy” nur sehr eingeschränkt über den normalen Fachhandel erhältlich. Als physischer Tonträger ist das Album überregional am einfachsten über die Internetseite (www.batterie-records.com) beziehbar. Darüber hinaus ist es digital weltweit per Internet über Download-Portale wie Musicload oder iTunes erhältlich.